Wie Hikikomori ohne Eltern überleben können
In den Vorstädten von Tokio und Osaka spielt sich hinter fest verschlossenen Vorhängen eine lautlose Tragödie ab. Was einst als Phänomen rebellischer Jugendlicher begann, ist in Japan längst zu einer chronischen gesellschaftlichen Krise gereift. Schätzungsweise 1,46 Millionen Menschen leben heute als Hikikomori – extrem isoliert, oft über Jahrzehnte im elterlichen Haushalt gefangen. Doch während die Betroffenen in ihren Kinderzimmern verharren, schreitet die Zeit unerbittlich voran.
Die Generation, die sich in den 1990er-Jahren zurückzog, ist heute oft über 50 Jahre alt; die Eltern, die sie versorgen, sind jenseits der 80. Dieses prekäre Gleichgewicht, in Japan als „8050-Problem“ bekannt, steht nun vor seinem unvermeidlichen Ende. Wenn die letzte Stütze wegbricht und die Eltern sterben, bleiben die alternden Kinder in einer Welt zurück, mit der sie jede Verbindung verloren haben.
Um das drohende Chaos aus Armut, Verwahrlosung und unentdeckten Todesfällen zu verhindern, greifen japanische Behörden zu ungewöhnlichen Mitteln. Im Rahmen der klassischen Lebensend-Vorsorge (Shukatsu) werden Senioren nun explizit dazu aufgerufen, nicht nur ihre Beerdigung zu planen, sondern auch einen „Überlebensplan“ für ihre isolierten Nachkommen zu hinterlassen. Es ist ein Wettlauf gegen die Demografie – und gegen ein Schweigen, das oft erst endet, wenn es zu spät ist.
Wie Hikikomori ohne Eltern überleben können
słówka: